Unbewusst schuldig

Willkommen zu einer Runde richtig schlechter Laune. Für alle, die darauf keinen Bock haben: hier besser nicht weiterlesen.

Preludium

Wie schuldig kann ein Mensch sein, ohne dass es ihm möglicherweise bewusst ist? Und wie bewusst wäre es manchen, wenn sie es nicht gekonnt verdrängen oder ignorieren, was sie tun?

Zahlen

Es gibt den sogenannten Werther-Effekt, der davon ausgeht, dass die Meldung von Suiziden zu einer Steigerung der Suizide führt. Darum werden Suizide in der Regel nicht als Nachricht in den Zeitungen behandelt. Verkehrsunfälle mit Todesfolgen allerdings werden vermeldet. Rein statistisch sterben in Deutschland 2,5, mal mehr Menschen durch Selbstbeschädigung (Suizid) als bei Verkehrsunfällen. Während bei einem Verkehrsunfäll der „Schuldige“ häufig auch stirbt, lässt sich bei einem Suizid die Schuldfrage nicht immer mit dem „Täter“ beantworten.

Das Verhalten

Ein Blick in den allgemeinen Straßenverkehr lässt immer wieder stark daran zweifeln, dass der Mensch ein soziales, vernunftbegabtes Wesen mit Einsicht für eigene Fehler ist. Es sei an dieser Stelle einmal jedem selbst überlassen, die letzten Autofahrten einmal Revue passieren zu lassen und zu reflektieren, wo man sich möglicherweise falsch oder gar gefährdend verhalten hat. Natürlich kam dabei niemand um (bei etwa 3700 Verkehrstoten pro Jahr, also +10 pro Tag, auch sehr unwahrscheinlich). Aber so unbewusst das Fehlverhalten auch ist, schließlich führt es zu Weiterem.

Nehmen wir diese Erkenntnis mal 2,5 und fragen uns, wann wir uns, das letzte Mal „falsch“ (niederträchtig, haßerfüllt, mobbend) gegenüber Menschen im Allgemeinen verhalten haben? Denn auch das summiert sich und führt nicht unbedingt zu einem erfreulichen Ausgang – es steht nur nicht in der Zeitung.

 

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2 Comments

  1. Das Problem sind weniger einzelne Menschen, die sich dem Erkrankten gegenüber „falsch“ verhalten, sondern das Gesundheitssystem, das es Depressiven nahezu unmöglich macht, zeitnah Hilfe zu erhalten. Es werden Steine in den Weg gelegt, wo es nur geht. Es gibt – gerade außerhalb der Großstädte – zu wenig Therapeuten, die Kassen sitzen aus und blockieren …
    Wenn man in dieser Situation keine wütend-entschlossenen Freunde hat, die sich dahinterklemmen, mit der Kasse streiten und Ärzte beknien, NOCH einen Patienten in die eh schon zu volle Praxis zu lassen … kann man sehr schnell hinten runter fallen.
    Ich weiß das. Ich habe es erlebt. Ich war suizidal. Und ohne meine beste Freundin, die wie eine Löwin gegen alle bürokratischen Widerstände gekämpft hat, weiß ich nicht, ob ich diese Zeilen heute schreiben könnte.
    Kurz: Deutschland ist kein gutes Land, um eine Depressions- oder Angsterkrankung behandelt zu bekommen. Auch deshalb, weil die meisten Leute hierzulande das als „stell Dich nicht so an“ und „das ist doch keine Krankheit“ abtun.

    1. Interessante Schlußfolgerung mit der Depression. Die Kolumne war zwar weit darüber hinaus gedacht. Aber selbstverständlich ist Depression ein entscheidender Teil des Problems, an dem die Gesellschaft scheitert.

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