Konsumverzicht trifft auf Helfersyndrom

Wann immer man einen Verzicht kommuniziert, wittert das Gegenüber im Gespräch ein Problem, das es zu lösen gibt.

“Oh, du trinkst keinen Alkohol mehr? Zu hart gefeiert die letzten Wochen?“

“Och nö, du…“

“Oh, also was Ernstes? Gesundheitlich?“

“Nein.“

“Stress zu Hause?“

“Nein, alles gut!“

“Ja aber warum trinkst du denn dann nichts mehr?“

“Einfach so, weil ich es eben nicht möchte.“

“Dafür muss es doch aber einen Grund geben!?“

“Ja, weil ich einfach mal bewusst darauf verzichten möchte.“

“Ja, aber warum? Was bedrückt dich?Kann man dir helfen?“

Auswege

Man könnte dem ganzen Spaß einfach aus dem Weg gehen, wenn man einfach antwortet: “Trockener Alkoholiker.“ Nur wüsste jeder längerfristige Bekannte, dass dem nicht so ist. Zudem läuft man Gefahr, dass es die falschen Menschen aufschnappen, weiter tragen und man sorgenvolle Anrufe oder eine Intervention erhält. Also verzichtet man idealerweise auch auf den Sarkasmus.

Der beste Weg ist es also, direkt im ersten Satz klarzustellen, was Sache ist.

“Nein Danke, für mich was ohne Alkohol. Ich hab gerade keine Probleme und wenn ich jetzt mit dem Saufen anfange und dann spontan aufhöre, glaubt jeder ich hab welche. Darum wehret den Anfängen!“

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6 Comments

  1. Viel Grundsätzlicher: Warum überhaupt bemerkenswert finden, dass ein Gegenüber keinen Alkohol trinkt, wenn es nicht tatsächlich mal jemand mit Alkoholproblem war?

    1. Ich denke wir kommen langsam in das Alter, in dem das seltener hinterfragt wird. Aber wie an anderer Stelle dokumentiert, war es durchaus sozial ausgrenzend auf einer Hütte mal kein Alkohol zutrinken. Und mit u30 wurde es auch regelmäßig hinterfragt, wenn man das Verhalten in diese Richtung änderte.

      1. Das kann einem auch mit Ü30 noch passieren. Wobei mir es eher passiert, dass sich Menschen bei mir dafür von sich aus entschuldigen, dass sie keinen Alkohol trinken. Ist mir letztens erst wieder passiert. Dabei habe ich ja gar kein Problem damit, getreu dem Motto: Wer nix trinkt, lässt mehr für mich übrig.

  2. Es ist einfacher, wenn man gleichzeitig durch andere, für die Leute eher unverständliche, Verzichtsmodelle auffällt. Ich habe noch nie Alkohol getrunken. Das war immer ein ewiges „nein danke, möchte ich nicht“ und ein ständiges „schmeckt mir nicht, will ich nicht“. Das hörte schlagartig auf, als ich vor etlichen Jahren Vegetarierin wurde. Seitdem darf ich auf die absurdesten Dinge verzichten, ohne dass Andere das seltsam finden! Dummerweise mag ich aber Milchprodukte und Eier und habe auch keine Glutenunverträglichkeit, so dass ich das gar nicht richtig bis zur Neige ausnutzen kann.

  3. Ich zitiere aus meinem Facebook Kommentar: ‚Generell finde ich, dass sich Menschen oft viel zu sehr in die Belange anderer Menschen einmischen. Wer Alkohol trinken mag, auch in Mengen: bitteschön. Mache ich auch mal. Wer gar keinen Alkohol trinkt: auch gut! Jeder sollte frei sein das tun zu dürfen was er mag, ohne dass er dafür verurteilt wird – und so sehe ich das in allen Bereichen des Lebens. Es sei denn, man wird zu einer Gefahr für seine Mitmenschen, dann hörts auf.‘

    Liebe Grüße
    Dahi von strangeness-and-charms.com

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